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Die dümmsten Sprüche zur Eurokrise

In der Euro Krise wird dermaßen viel Unsinn gesprochen, nicht nur an den Stammtischen und in Blogs (dieses hier sei nicht unbedingt ausgenommen), daß es sich lohnt, den Blick darauf zu richten. Der Quatsch ist vielleicht die eigentliche Krise!

  • Die Regierung Portugals erklärt, sie sei “nicht einverstanden mit dem Beschluß des Verfassungsgerichtes”, das wesentliche Teile der Spardiktate, mit denen die Forderungen der Troika erfüllt werden sollen, gekippt hat. So weit ist es eben gekommen – nicht nur, daß mit den “Rettungen” ständig Recht gebeugt, wenn nicht gebrochen wird. Jetzt darf die Politik sogar noch offen widersprechen, wenn sie dafür verwarnt wird.
  • “Wir sind im Augenblick in einer entscheidenden Phase der Euro-Krise” (Angela Merkel, im ZDF Sommerinterview)
    Aha – und wo waren wir all die Monate und Jahre zuvor? Als ein “Rettungsschirm” nach dem anderen durchgepeitscht wurde? Da war es keine entscheidende Phase, sondern nur Vorspiel? Das ist genauso wie das ständige Lamentieren “Wir müssen”, “Wir sollten”, “Wir dürfen nicht”. Dann tut bzw laßt es doch endlich! Ihr regiert, seit Jahren (bzw eben nicht).
  • “Aber nur unter strengen Auflagen” (Mario Draghi und viele andere)
    Damit wird jede neue – sogenannte – Rettungsmaßnahme begleitet. Das dient nur als Sedativum für das zahlende Volk. Diese Auflagen gelten solange, bis der Schuldner sie nicht mehr erfüllen kann, dann werden sie geschmeidig angepaßt oder elegant umfahren. Im Grunde ist der Spruch nichts weiter als Betrug, weil alle Handelnden einvernehmlich von vornherein gar nicht die Absicht haben, sich dauerhaft daran zu halten.
  • “Das ist meine größte Sorge, daß die Europäer durch die Krise wieder zu Nationalisten werden” (Helmut Schmidt)
    Hätte man den alten Mann mal besser nicht geweckt. Es gibt diese “Europäer” nicht, die Schmidt meint. Europa ist ein Zweckbündnis von Nationalstaaten. Diese sind aufgrund ihrer jeweiligen Verfassung autonom (wenngleich die Autonomie in der Praxis schon vor der Krise durch Brüssel immer wieder erfolgreich eingeschränkt wurde). Es ist nichts unehrenhaftes daran, sich seines Landes und dessen einmaliger Geschichte bewußt zu sein und zu bleiben. Es ist nichts gefährliches daran, wenn ein etwa ein Däne ein Däne, ein Franzose ein Franzose und ein Rumäne ein Rumäne bleiben will. Umgekehrt ist nicht einzusehen, weshalb sich die Nationen in einen europäischen Einheitsbrei einrühren lassen sollten. Also entgegnen wir dem alten Mann: “Es ist meine größte Sorge, daß die Völker Europas unter dem Diktat von Bürokraten ihre nationale Identität verlieren.”
  • “Es muß verhindert werden, daß Europa auseinanderbricht” (Merkel, Schäuble et al)
    Dabei bietet der Euro gar keine Gewähr, daß Europa nicht auseinanderbräche. Schon weil er längst nicht alle Euroländer umfaßt. Vor allem aber traten ja erst durch ihn die schweren Verwerfungen zutage. Als Argument für die absurden Rettungsversuche taugt das also nicht. Man kann ohnehin nicht dauerhaft zusammenzwängen, was nicht zusammengehört.
  • “Deutschland profitiert am meisten vom Euro” (das hört man immer wieder und bis heute)
    Und wenn es noch so oft wiederholt wird – es ist und bleibt falsch. Gemeint ist, daß Deutschland wegen der starken Mark zunehmend Schwierigkeiten beim Export bekam, weil die Produkte zu teuer wurden. Doch wenn der Euro nun schwächer ist als die Mark, ist er das eben auch für uns selbst. Zweitens ist das Selbstbetrug, weil wir die größten Nettozahler in der EU sind und so den anderen erst das Geld zustecken, mit dem sie uns die Waren abkaufen. Ein Nullsummenspiel. Drittens stützen wir, um den Euro in der gegenwärtigen Ausdehung zu halten, andere Länder mit Krediten, die wir niemals in voller Höhe zurückbekommen (siehe Schuldenschnitt für Griechenland). Da zahlen wir also sogar drauf. So profitieren tatsächlich alle anderen mehr als wir.
  • „Die Folgen eines Austritts der Griechen aus dem Euro liegen irgendwo zwischen einer Katastrophe und dem Weltuntergang,“ (Charles Dallara, Chef des Internationalen Bankenverbands IIF, im Juni 2012)
    Das ist so absurd, daß man dem nicht einmal seriös begegnen kann. Es gibt nichts in diesem Satz, worauf man Bezug nehmen könnte. Und das spiegelt die Linie bisher wieder – weil niemand eine Ahnung hat und sich auch nicht die Mühe macht nachzudenken, wird der Status Quo bis auf’s Blut verteidigt, koste er auch des Steuerzahlers letztes Hemd.
  • “Das Vertrauen der Märkte zurückgewinnen!” (Merkel und so viele andere Schwätzer, im Dezember 2011)
    Man muß nicht gleich ein Linker werden, aber recht hat er doch, der Gysi, wenn er im Bundestag darauf erwidert, daß es nicht darum geht, deren Vertrauen zurückzugewinnen, sondern ihrem Treiben Einhalt zu gebieten. Wir müssen nicht kuschen, wir müssen sie an die Kette legen!
  • “Den großen Worten müssen jetzt Taten folgen.” (Udo van Kampen)
    Das sagt er todernst jetzt, angesichts des Gipfels Merkel-Sarkozy im Dezember 2011. Am Beginn der Krise wäre das vielleicht noch eine werthaltige Aussage gewesen. Aber nach dem soundsovielten Spitzentreffen? Warum schickt das ZDF diese unnütze Pappwand nicht endlich in den Ruhestand, wo er seinen Stammtischbrüdern Politik erklären kann?
  • “Scheitert der Euro, scheitert Europa.” (Angela Merkel)
    Mit solchen Slogans kann man vielleicht Werbung machen (Gillette – Für das Beste im Mann), aber nicht Politik. Grundsätzlich gilt das gleiche wie unten bei Sarkozy.
  • “Wir können nicht die Explosion des Euro akzeptieren, weil damit Europa explodieren würde.” (Nicolas Sarkozy)
    Hanebüchen, wie will Sarkozy eine solche Kausalität begründen? Hat er gar nicht, kann er auch nicht. Es sei nochmals darauf verwiesen: Europa gab es bereits vor dem Euro – und es funktionierte erheblich besser ohne ihn!
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