ructo…

Reingefallen!

Posted in Gesellschaft, Medien, Politik by Verfasser on 10. 10. 2015

Bei der Ukrainekrise war es nur ein diffuses Gefühl: Das stimmt doch irgendwie nicht, das ist zu schwarzweiß, um echt zu sein. Auf der einen Seite, so hörten und lasen wir, die nach Demokratie dürstenden Ukrainer, auf der anderen Seite der mörderische Despot. Und über allem dieser russische Schurke Putin, der – eiskalt und unberechenbar – nach der Weltherrschaft strebt. Wir hatten das Gefühl, daß da etwas nicht stimmt, und das artikulierte sich in einer Gegen-Öffentlichkeit im Internet. Aber die wenigsten von uns konnten sich selbst ein Bild vor Ort machen.

Bei der Flüchtlingskrise ist das anders. Politik und Medien erzählen uns beispielsweise unisono, daß da lauter bestausgebildete syrische Ärzte und Ingenieure zu uns kommen, dort Opfer des Bürgerkrieges und hier ein Gewinn für Arbeitsmarkt und Sozialsysteme. Doch halt: Zwar zeigt uns das Fernsehen Interviews mit mustergültigen Vorzeige-Flüchtlingen, die in verständlichem Englisch berichten, wie schlimm es in ihrer Heimat war und wie sehr sie sich darauf freuen, im sicheren Deutschland arbeiten und alle durch sie entstandenen Kosten bald zurückzahlen zu dürfen. Aber dann wieder sind da Bilder endloser Ströme von ganz anders aussehenden Menschen. Da wirkt keiner wie ein eifriger Facharbeiter oder gebildeter Akademiker. Und irgendwie ist doch auch nicht recht vorstellbar, daß die Menschenmassen auf den Hauptbahnhöfen und an den Grenzübergängen alles Syrer sind, alles Ärzte und Ingenieure? Wütet nur in Syrien Bürgerkrieg? Besteht dort die Bevölkerung nur aus Ärzten? Gelingt nur denen die Flucht?

Da helfen dann auch keine konstruierten Statistiken, die diese Wohlfühl-Legende untermauern sollen. Was wir mit eigenen Augen – und sei es nur in den Nachrichten – sehen, das paßt einfach nicht mit dem zusammen, was uns Politik und Medien darüber erzählen. Und dann gibt es ja noch das früher leerstehende Haus gegenüber oder das Container-„Dorf“ bei uns am Ortsrand. Die Menschen dort, das sind alles knapp dem Tod entronnene Ärzte? Oder traumatisierte, aber qualifizierte und dringend benötigte Facharbeiter?

Die unheilige Allianz von Regierung und „Leit“-Medien hat es in der Ukraine-Krise (und bei der Auflösung der Sozialsysteme, dem Ausverkauf von Staats- und damit Volkseigentum an „Private-Public-Partnership“, bei der NSU-Affaire, der NSA-Schnüffelei, dem TTIP undsoweiter) noch so leidlich geschafft, das Volk soweit zu infiltrieren, daß es freiwillig den politisch opportunen Pfad dahintrottet. Aber weil das inzwischen so gut funktionierte, hat sie es sich bei den Flüchtlingen zu leicht gemacht. Sie hat sich verschätzt als sie dachte, sie könnte uns wie gewohnt ein X für ein U vormachen und das einfach solange wiederholen, bis wir es endlich glauben.

Jetzt aufeinmal wundert sich die Kanzlerin, daß sie in der Beliebtheit abstürzt. Und manche der Medien, die eben noch wehklagten daß man ihnen nicht mehr glaube, versuchen immerhin ihre Haut zu retten, indem sie schreiben, was sie – und die Bürger – sehen und nicht mehr nur das, was sie gerne hätten.

Wie sagte einst Abraham Lincoln: „Man kann einige Menschen dauernd belügen, alle Menschen zeitweise belügen, aber man kann nicht dauernd alle Menschen belügen.“ Vielleicht hat diese Flüchtlings-„Krise“ insofern auch für uns etwas Gutes, als daß sie dem Volk vor Augen führt, daß unsere Regierung (von der durften wir nichts anderes erwarten) und unsere Medien (von denen hätten wir anderes erhofft) uns lange genug etwas vorgemacht haben. Nicht nur bei den Flüchtlingen.

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Nachtrag 12.10.2015: Was bei der Ukraine noch so leidlich gelang, geht natürlich auch bei Syrien: Der Freitag.

 

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