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Das „Recht“ des kleinen Mannes

Posted in Gesellschaft, Wir können nichts dagegen tun by Verfasser on 15. 9. 2016

Lassen wir heute mal die ganz große Weltpolitik beiseite. Schauen wir um die Ecke: Du fährst wie unzählige Male zuvor in die Sammelgarage Deiner Wohnanlage ein. Das Tor hast Du wie gewohnt mit der Fernbedienung geöffnet. Allerdings: Als Du es durchquerst, kracht es Dir auf Dein Autodach. Und macht dieses ziemlich kaputt.

Ärgerlich, denkst Du, aber die Hausverwaltung ist ja versichert, denkst Du. Du machst eine Schadensmeldung, reichst das Reparaturkostengutachten ein. Und bekommst statt einer Zusage der Kostenübernahme eine Rechnung über die Reparatur des Garagentors. Die Instandsetzung Deines Autodachs hingegen wird brüsk abgelehnt.

Ja, das ist geltendes Recht in Deutschland. Die Hausverwaltung muß nur nachweisen, daß das Tor ordentlich gewartet war, und der zuständige Techniker muß nur bestätigen, daß das Tor – selbstverständlich! – einwandfrei funktionierte. Dann ist sie fein raus. Willst Du aber Geld für Dein kaputtes Dach haben, mußt Du – als der Geschädigte! – nachweisen, daß das Tor eine Fehlfunktion hatte. Und wie willst Du das machen? Da mußt Du mit dem Tor-Techniker schon unter einer Decke stecken. So wie die Hausverwaltung, man lebt schließlich voneinander: „Du darfst das Tor bei mir regelmäßig (und kostenpflichtig) warten, aber Du mußt mir, wenn’s Probleme gibt, immer bestätigen, daß es keinen Fehler hat.“ – „Logo Chef, unsere Tore machen nie Probleme!“

Und wenn’s noch ein besonderes Bonbon sein darf: Da gibt es eine Lichtschranke, die das Tor sofort anhält, wenn sie unterbrochen wird. Auch der wird stolz eine einwandfreie Funktion bescheinigt. Äh: Sie ist auf über zwei Meter Höhe montiert. Wieviele Autos in einer Tiefgarage haben mehr als zwei Meter Höhe, wenn an der Einfahrt ein Verbotsschild für Fahrzeuge über zwei Meter Höhe hängt? Egal, als das Gebäude errichtet wurde, gab es noch keine Vorschrift, Lichtschranken anzubringen. Und deswegen muß sie auch nicht nachträglich auf die heute übliche Höhe (etwa 30 Zentimeter) versetzt werden. So darf sich die Hausverwaltung einer Lichtschranke rühmen – und auch damit aus jeder Haftung freistellen -, die zu 100% nutzlos ist.

Und weil das alles so ist, weil die Bank stets gewinnt, weil die Gerichte genau so entscheiden, darf Dir die Hausverwaltung auch noch frech vorhalten, Du hättest ja versucht, schnell noch unter dem schließenden Tor durchzuschlüpfen. (Was schon deshalb nicht stimmt, weil Dir vor über zehn Jahren dasselbe Tor Dein damaliges Auto demolierte, Du auch damals auf de Schaden sitzen bliebst und seither bei jeder Ein- und Ausfahrt mit größtem Respekt auf die Anlage schielst.)

Und jetzt sei mal ein fleißiger Müllmann oder Altenpfleger. Für den das gebraucht gekaufte Auto schon eine Anschaffung war, auf die Du lange gespart hast.

So toll funktioniert „Recht“ in der Bundesrepublik Deutschland. Klar, es gibt durchaus diejenigen, die versucht haben, schnell noch durchzufahren, gescheitert sind und nun den selbst verursachten Schaden ersetzt haben wollen. Aber: Es gibt auch die vielen anderen, die ohne jede Schuld Opfer eines technischen Defekts geworden sind. Wenn irgendwo ein Islamist eine Bombe zündet heißt es sofort, Moslems (und „Flüchtlinge“) dürften nicht unter Generalverdacht gestellt werden. Aha. Aber Du und ich, wir dürfen schon?

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Eine Antwort

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  1. WEISSE WÖLFE said, on 15. 9. 2016 at 23:23

    Hat dies auf Manfred O. rebloggt.


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