ructo…

Rechts ist Schweinefleisch

Posted in Gesellschaft, Medien, Politik by Verfasser on 14. 1. 2017

Wenn es nicht so beschämend wäre, dann wäre es amüsant: Immer neue „Studien“ (die leider von meinem Steuergeld bezahlt werden) behaupten, „rechte“ oder manchmal gar „rechtsextreme“ Tendenzen in der „Mitte der Gesellschaft“ auszumachen. Wie jetzt, wenn das in der Mitte steckt, kann es doch nicht „rechts“ sein? Dann ist vieles von dem, was man in diesen Zeiten nicht mehr sagen (wenn man keine beruflichen oder sozialen Nachteile inkauf nehmen möchte), nicht einmal mehr denken darf, tatsächlich breiter Grundkonsens in der Gesellschaft, mitnichten also extrem?

Jaja, ich weiß. Die Autoren meinen da nicht die Mitte zwischen links und rechts, sondern die zwischen oben und unten. Das macht es aber nicht besser. Denn sie stellen damit die Gleichung auf: Oben = Links, Mitte = naja, schauen wir mal, Unten jedenfalls = Rechts. Also der Rechte an sich (wie auch immer der definiert wird, dazu unten – korrigiere: später mehr) ist Unterschicht. Ungebildet. Dumpf. „Pack“, wie unser Vizekanzler Gabriel sagte. Wenn Du nicht Pöbel sein willst, darfst Du auch nicht rechts sein.

Ich will gar nicht in Abrede stellen, daß es wohl ganz dumpfe Rechte gibt. Ich kenne keine persönlich (glücklicherweise), aber habe im Fernsehen Berichte von Neonazi Aufmärsc – korrigiere: Demonstrationen gesehen. Ich gestehe, diese Gesichter, diese Gesten, dieses Grölen, nichts als Haß (wirklicher Haß, hat nichts mit dem zu tun, was Jüngelchen Maas dafür hält) und Gewalt, die machten mir Angst. Aber sind alle so? Es gibt unter den Zuwanderern („Schutzsuchenden“) auch welche, die walzen friedliche Bürger mit einem LKW nieder. Sind denn alle so? Da schreien doch unsere Moralapostel in Politik und Medien entsetzt „Nein“ im Chor!

Die AfD ist bekanntlich für jeden Helldeutschen das böse Rechte schlechthin. Wie sieht es da denn aus mit Rechts = Unten? Einer Untersuchung des IW Köln zufolge gehören ein Drittel aller der AfD Zugeneigten zum reichsten Fünftel der Bevölkerung. Nur ein Zehntel leidet wirtschaftliche Not. (Bei der NPD sei es andersherum, rund ein Zwanzigstel Reiche und ein Drittel Arme; aber auch das erlaubt offensichtlich nicht die pauschale Gleichung.) Und, kleiner Ausflug, wer waren denn im Dritten Reich die Nazigrößen? Alles Dumme, Ungebildete?

Also, die Gleichung Rechts = Unten (oder, nach Sigmar Gabriel: Rechts = Pack) ist so nicht haltbar. Da müssen die Studien nicht so überrascht tun. Und die Politiker und Medien nicht so empört geifern.

Zum Abschluß: Was aber ist denn nun „rechts“, in diesen Zeiten? Rechts ist sowieso Skepsis gegenüber der Zuwanderung – hinsichtlich Menge in Kombination mit kultureller und religiöser Prägung in Kombination mit integratorischer Motivation in Kombination mit beruflicher Qualifikation. Diese Skepsis angesichts des Offensichtlichen heißt neudeutsch „Fremdenfeindlichkeit“. Weiter: Rechts ist Kritik an der Unterwefung. Rechts ist Ablehnung des Genderismus. Rechts ist, eine zuverlässige und bezahlbare Energie zu fordern. Fehlt noch was? Rechts ist das, was vor nicht allzu langer Zeit (ich habe sie erlebt) „konservativ“ war.

Ja, liebe Leute – wenn das alles „rechts“ ist, wen sollte da wundern, daß sich das in der Mitte der Gesellschaft findet? Ach ja, ich weiß wen: Politiker und Medien.

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4 Antworten

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  1. alphachamber said, on 14. 1. 2017 at 14:14

    Exzellentes Essay.
    Dürfen wir in diesem Zusammenhang auf diesen Link verweisen:
    https://huaxinghui.wordpress.com/2016/12/02/links-und-rechts-am-gehirn-vorbei/

    • Verfasser said, on 17. 1. 2017 at 1:01

      Aber gern – wobei ich gerade noch über den ersten Satz des letztes Absatzes sinniere…

      • alphachamber said, on 17. 1. 2017 at 3:03

        Ja, das haben Sie zurecht erkannt. Gut und schlecht ist natürlich auch relativ – in unterschiedlichen Kulturen. Wir meinten es innerhalb unserer Gesellschaft – war es dies was Sie nachdenklich machte?
        Danke fürs lesen.

      • Verfasser said, on 17. 1. 2017 at 22:22

        In gewissem Sinne, ja. Denn wenn ich einräume, daß die Definition von „gut“ und „schlecht“ von einer durch Sozialisation erworbenen Perspektive bestimmt wird – dann könnte fragen, ob das nur für ethische Kategorien gilt, oder eben nicht zB auch für politische. Das führt dann zur Frage, ob es außer einer „guten“ nicht auch eine „linke“ Handlung geben kann – weil „unsere Gesellschaft“ übereingekommen ist, in ihr ein typisches Muster der sich teils sogar selbst als „Linke“ bezeichnenden Gruppierung zu sehen.
        (Das entwertet mE übrigens meinen Beitrag nicht, denn da gehe ich davon aus, daß unsere Gesellschaft – noch! – nicht Schweinefleisch als „rechts“ ansieht, es ihr aber die Eliten einzureden bemüht sind. Daß sie also an der Umdeutung des noch herrschenden Konsenses zu „links“ und „rechts“ arbeiten.)


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