ructo…

Da ist einer ganz schlau

Posted in Medien by Verfasser on 19. 1. 2017

Tomas Spahn hat mich mit seinen, seien wir freundlich: ‚außenpolitischen Analysen‘ schon mehrmals kopfschüttelnd zurückgelassen. Weshalb er gerade Tichy’s Einblick als Plattform wählt (und man ihn dort läßt), erschließt sich mir nicht. Diesmal äußert er sich zum Brexit, konkret zu Theresa May’s Erklärung, einen konsequenten Ausstieg aus der EU anzustreben.

Wenn ich Herrn Spahn da richtig verstehe ist es falsch, den von einer – wenngleich knappen – Mehrheit des Volkes geforderten Brexit auch umzusetzen, weil:

  • die Schotten das nicht mitmachen und ihre Unabhängigkeit erklären würden
  • der Irlandkonflikt wieder ausbrechen würde
  • das britische Pfund im Verhältnis zu Euro und US Dollar doch an Wert verloren habe
  • und schließlich daher „May als diejenige in die Geschichte des Königreichs eingehen kann, die mit ihrer Durchsetzung des Volksentscheids eben dieses Königreich zu Grabe getragen hat.“

Letzteres würde, zuende gedacht, ja bedeuten, daß Wohl und Wehe des Königreiches allein an der EU hängen? Noch mehr kann man eine Nation nicht herabwürdigen.

Sollte May um des – von Spahn hier spekulativ infrage gestellten -Friedens mit Schottland (8,3% der Bevölkerung Englands) und Nordirland (2,8%) den erklärten Willen von mehr als der Hälfte der Gesamtbevölkerung verwerfen? Hält er das für demokratisch? Ach – ich vergaß, Spahn meint erkannt zu haben, daß May genau dies vorhat: Daß sie den Brexit als Fehler sieht und hofft, durch die Forderung eines „harten“ Ausstiegs so schmerzhafte Folgen zu provozieren, daß die Brexiteers umdenken und selbst den Exit vom Brexit verlangen.

Nun, bei mir kommen Zweifel an den analytischen Fähigkeiten des Herrn Spahn auf wenn ich lese: „Der Exit vom Brexit könnte so die unverzichtbaren Signale geben, um die EU wieder vom selbstreferenzierenden Kopf der Bürokraten auf die Füße der Europäer zu stellen.“ Wer kann nach all‘ den Jahren und den bereits erfolgten Mißtrauensvoten (nicht nur Irland 2008, Holland 2016) ernsthaft annehmen, daß die EU substanziell reformierbar wäre? Erst hieß es unisono, der Brexit würde das befördern. Jetzt sehen wir: hat nicht funktioniert. Deshalb soll es nun der Exit vom Brexit richten?

(Übrigens: So macht man sich seine Statistik. Spahn sagt „Unmittelbar vor dem Brexit-Entscheid hatte das Pfund noch einen Wert von 1,51 $. Heute liegt es bei 1,21 $ – nur wenig über dem Tiefstkurs von 1,18 $.“ Ist nicht falsch, aber die 1,51 USD waren nur ein einsamer Peak und daher wohl spekulativ, während der Kurs in den Monaten Januar bis Juni ständig zwischen 1,40 und 1,45 pendelte. Und nach dem Brexit-Votum schwankte er noch zwischen 1,30 und 1,33, erst im Oktober stürzte er. Nebenbei hat auch der Euro hat gegenüber dem US Dollar verloren.)

Advertisements
Tagged with: , , ,

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: