ructo…

Lieber gemeinsam verzweifeln

Posted in Gesellschaft, Medien, Politik by Verfasser on 21. 2. 2017

Ich schätze ja die Nachdenkseiten. Vorwiegend wegen ihrer Auswahl der Presseschau, aber auch wegen der Kommentare dazu und gelegentlich der eigenen Artikel. Jetzt habe ich von ihren Gesprächskreisen erfahren. Die werden beworben mit: „Wenn Sie am Gedankenaustausch unter Gleichgesinnten interessiert sind…

Ja, das muß ein sehr fruchtbarer „Gedankenaustausch“ sein. Da sitzen also Menschen, die an – ich polemisiere ein wenig – Verbrechen und Irrsinn der Politik und an Indoktrination und Propaganda der Medien verzweifeln, an einem Tisch zusammen und klagen sich gegenseitig ihr Leid. Nicht falsch verstehen: Das Leid ist real und, da stimme ich mit denen überein, wohlbegründet. Aber was soll es, sich da mit „Gleichgesinnten“ zusammenzusetzen? Wir sind bereits in unserer Meinung so gefestigt, was braucht es da „Gleichgesinnte“, die uns doch nur bestätigen würden? Wo ist da der Gedanken-„Austausch“?

Im Interview wird eine Teilnehmerin zitiert: „Damit ich nicht alleine zu Hause vor dem Computer an der Welt verzweifele, brauche ich echte Kommunikation mit anderen Menschen. Ich will raus aus der virtuellen Einsamkeit!“ Heureka! Dann sitzt sie mit einer Handvoll anderer, die an der Welt verzweifeln, an einem Tisch und sie verzweifeln gemeinsam an der Welt!

Ich sehe nur vier Wege, nicht an der Welt zu verzweifeln:

  • Ignorieren
  • Akzeptieren
  • Verändern
  • oder Fliehen

Die Bürger im Land gehen mehrheitlich eine Mischung aus Ignorieren und Akzeptieren. Sie akzeptieren das ihnen von den Standardmedien (von „Leitmedien“ zu sprechen wäre geradezu obszön) vermittelte Bild und ignorieren, daß das nicht zu der von ihnen beobachteten Realität paßt. Oder es fehlt ihnen überhaupt die Möglichkeit, sich ein eigenes Bild dieser Realität zu machen. Und sie akzeptieren, wie die Politik ihr Leben schmiedet.

Den mühseligen Kampf, der Veränderung bedeutet, nehmen nur wenige auf. Und wenn wir die Geschichte betrachten: Wieviele waren je erfolgreich? Wieviele derjenigen dann, die erfolgreich waren und wirklich eine Veränderung (nicht Nuancierung) bewirkten, erreichten etwas, das im historischen Rückblick nicht als Inferno gewertet werden muß? Zudem bleibt immer die Frage: Habe ich ein Recht, die Veränderung eines Zustandes herbeizuführen, der von der Mehrheit der Betroffenen hingenommen, wenn nicht sogar – siehe Wahlergebnisse – bestätigt wird? Die, so in meinem eigenen Bekanntenkreis, immer ermüdet abwinken, wenn ich versuche, ihnen zu erzählen, was nicht in der tagesschau gesagt wurde?

So bleibt dann nur noch der letzte Punkt, die Flucht. Das Kloster, die Einsiedelei. Was schließlich den Kreis zum ersten schließt, dem Ignorieren.

Jedenfalls wird die Welt nicht weniger zum „Verzweifeln“, wenn in einem Land mit 80 Millionen Einwohnern ein paar Hundert in „Gesprächskreisen“ zusammen verzweifeln.

 

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