ructo…

Der Rausch

Posted in Gesellschaft, Verschaukelt by Verfasser on 26. 3. 2017

Neulich habe ich im Rado eine Aufzeichnung einer Veranstaltung gehört, an der Konstantin Wecker ein Lied zum besten gab. Ein „Flüchtlingslied“. Tenor, wie könnte es anders sein: Wir müssen den Unmenschen widerstehen, die diese Notleidenden zurückweisen wollen; wir nehmen sie alle auf, alle, beschützen sie und geben ihnen, denn wir haben ja soviel und die so wenig.

Ein typischer Wecker eben. Solche Gutmenschenlieder singt er (zu seit einem halben Jahrhundert denselben Klavierakkorden) seitdem ich ihn kenne – ich habe ihn in meiner Jugend gerne gehört, denn da wollte ich auch ein Gutmensch sein. Nun, ich bin älter geworden, habe dazugelernt. Ich glaube, ich kann inzwischen „gut gemeint“ von „gut“ unterscheiden. Aber Wecker ist bis in’s hohe Alter ein großes, dummes Kind geblieben. Er wird wohl sagen: sich selbst treu geblieben, aufrecht, mutig und ehrlich.

Ich finde es bestürzend, wie naiv ein fast Siebzigjähriger noch sein kann. Daß der tatsächlich in jedem Zuwanderer den vor Krieg oder Hungertod Geflohenen sieht und vor nordafrikanischen Trickdieben, die sich als Syrer ausgeben, ganz fest die Augen zumacht. Oder vor solchen wie Amri, der sich in seiner großen Not gezwungen sah, mit sieben verschiedenen Identitäten Sozialleistungen zu abzugreifen.

Ist Konstantin Wecker stolz darauf nicht verstehen zu wollen, daß es geographisch, volkswirtschaftlich, soziologisch und politisch nicht möglich ist, jeden aufzunehmen und teilhaben zu lassen, dem es „schlechter geht“ als uns? Wie naiv kann ein „Künstler und Liedermacher“ in diesem Alter noch sein? Wir müssen uns wohl auch fragen: Wie naiv darf so einer sein?

Aber ist er überhaupt so dumm? Spielt er vielleicht nur einfach die Rolle weiter, die seine Karriere, seinen Erfolg (oh, ich vergaß, er ist ja immer überschuldet) begründet hat? Vielleicht hält er umgekehrt die Menschen hierzulande für so dumm, daß sie sich an ihrem Gutsein berauschen wollen ohne zu erkennen, daß sie ihren eigenen Untergang bereiten. Das Grundprinzip jedes Rauschs (und damit kennt Wecker sich ja aus).

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