ructo…

Für dumm verkauft

Posted in Gesellschaft, Medien, Politik, Verschaukelt, Wirtschaft by Verfasser on 30. 3. 2017

Eine große deutsche Bank verschickt einen zweiseitigen Brief an ihre Kunden. Darin teilt sie mit, daß ab sofort die Auszüge der Kreditkartenabrechnung nurmehr in einem Online-Postfach bereitgelegt und nicht mehr postalisch verschickt werden. Das geschieht, so wird ausführlich begründet, der Umwelt zuliebe. Von wegen Papier, Drucken und – man höre und staune – Belastung durch den Transport des Briefes.

Nur dumme Menschen werden glauben, daß es der Bank da um die Umwelt geht. Stattdessen spart sie eine stattliche Summe Geld ein, und darauf kommt es ihr an. (Nebenbei bürdet sie ihre bisherige Bringschuld nun dem Kunden als seine Holschuld auf.) Diese Einsparung gibt die Bank aber mitnichten an den Kunden weiter. Stattdessen erhöht sie, ohne in dem zweiseitigen Schreiben auch nur mit einem Wort darauf einzugehen, die Jahresgebühr der Kreditkarte noch um satte 33%.

Die Bank hält ihre Kunden entweder für dumm – oder hilflos. Rechnet jedenfalls nicht mit ernsthaftem Widerstand, der hier ja nur die Abkehr von diesem Geldinstitut bedeuten kann. Oder sie hofft vielleicht gerade darauf. Welche Bank will heute noch einen Privatkunden, der am Ende sogar noch ein bißchen Erspartes bei ihr deponieren möchte?

Ein anderer Fall: Wir haben uns ja daran gewöhnt, daß, wenn jemand seinem Kunden sagt, er habe die Preise „angepaßt“, er sie also erhöhte. Ein an sich schamloser Euphemismus. Besonders eindrucksvoll zelebriert das ein international aufgestellter Hersteller von Telekommunikationssystemen. Er hat für seine Vertriebspartner „die Rabattstruktur den Anforderungen des deutschen Marktes angepaßt“. Das, so sagt er, unter anderem aufgrund des „Feedback unserer Partner“. Also, der „deutsche Markt“ erfordert, daß die Händler künftig um bis zu einem Viertel geringere Einkaufsrabatte erhalten. Und das haben sie sich offenbar ausdrücklich so gewünscht?

Es macht mich wütend, wenn ich für dumm verauft werde!

Apropos „für dumm verkauft“. Es betrifft mich (als Mann) ja nicht, aber da gibt es diesen Werbeclip, in dem lauter elegant schwarzgekleidete zwanzigjährige Models um eine ebenso elegant schwarzgekleidete Mittfünfzigerin kreisen. Allesamt haben sie eine glatte und straffe Haut – weil sie, so erfahren wir, Collagen trinken. Jawohl: trinken! Daß es Prinzip der Werbung ist, einen für dumm zu verkaufen, wissen wir. Aber für wie dämlich hält so ein Pharmakonzern seine Kunden eigentlich, wenn er glaubt ihnen einreden zu können, daß in den Magen gekipptes Collagen die Gesichtshaut strafft?

Wollen wir wetten, die Leute kaufen das Zeug! Und zwar auch wirklich intelligente Menschen. Das eben ist der Punkt. Egal ob die Wirtschaft, Medien oder die Politik – sie alle verkaufen uns für dumm, tagaus, tagein. Während sie das früher noch einigermaßen geschickt verschleierten, geben sie alle sich zunehmend weniger Mühe. Warum? Weil sie sich gar nicht mehr anstrengen müssen. Wir machen doch auch so mit. Wir wissen’s besser, lassen uns aber dennoch gefallen, daß man uns in’s Gesicht sagt: Du kleiner blöder Vollidiot.

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