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Die getöteten Kinder

Posted in Gesellschaft, Medien by Verfasser on 23. 5. 2017

Nach dem Attentat in Manchester betonen alle Medien, daß auch Kinder unter den Toten waren. So wie bei Anschlägen im Nahen Osten oder bei ertrunkenen Migranten im Mittelmeer stets hervorgehoben wird, wenn es Frauen und Kinder unter den Opfern gab.

Gilt das Leben eines Mannes weniger als das einer Frau? Oder das eines Erwachsenen weniger als das eines Kindes? Sind ein Anschlag oder ein Unglück weniger tragisch, wenn es sich bei den Getöteten um erwachsene Männer handelt?

Wohlgemerkt: Auch mir geht der – durch was auch immer verursachte – Tod eines Kindes näher. Aber warum eigentlich? Weshalb sollte das Leben des einen Menschen weniger gelten als das des anderen? Und wenn wir das einmal so annehmen – wie ist die Abstufung, wo sind die Grenzen? 15jähriges männliches Anschlagsopfer weniger schlimm als 10jähriges weibliches? 30jähriger männlicher Toter weniger schlimm als 40jähriger weiblicher? Wäre es dann nicht folgerichtig irgendwann fast egal? Aber ab wann – bei einem 60jährigen Mann? Wer bestimmt das?

Hat jemand weniger „Recht auf Leben“, weil er schon mehr Lebensjahre hinter sich hat als ein anderer? Gibt es denn eine Art Anspruch auf eine bestimmte Lebenszeitspanne, und je näher der Mensch dem – statistisch gemittelten – Ablauf ist, desto geringeren Wert hat sein Leben?

Wer sich jetzt empört und diese Ausführungen zynisch nennt, den frage ich: Ist es nicht vielmehr zynisch, solche Vergleichsbewertungen anzustellen?

 

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Schuldbürger

Posted in Gesellschaft, Politik by Verfasser on 9. 3. 2017

Wir gehen tief gebückt. Beladen mit Schuld. Am Klimawandel, an der Umweltverschmutzung, am Artensterben. An der Ausbeutung der Dritten Welt, am Gemetzel in Afrika. An der Mißachtung von Frauen, der Diskrimierung von Transgendern. An allem, was hierzulande geschieht sowieso, aber auch da draußen in der Welt, tragen wir: Schuld. Ja, wir (die nach 1940 Geborenen) sind sogar – irgendwie – mitschuld an den Weltkriegen, am Kolonialismus, an der Sklaverei.

Wir Deutschen (freilich nur die, die schon länger hier leben) sind Schuldbürger!

Das reden uns die Leitmedien ein, subtil zwischen den Zeilen. Und die Politiker, in bewegenden Reden, vorzugsweise anläßlich eines der zahlreichen Gedenktage (unserer Schuld) oder eines beliebigen aktuellen Ereignisse aus den Themenbereichen Klimawandel, Umweltverschutzung, Artensterben, Ausbeutung der Dritten Welt (Flüchtlinge!), Afrika, Frauen, Transgender. Und Nazi!

Wir lassen uns das gefallen. Wir streuen uns Asche auf’s Haupt – und lassen uns verhöhnen von jenen, die entdeckt haben, wie viel Spaß es machen, wieviel Geld es bringen kann, in Deutschland „Opfer!“ zu rufen.

Das mag noch eine zeitlang gutgehen. Aber die Geschichte zeigt: Es ist stets ein Fehler, ein Pendel zur Vermeidung des Ausschlags auf die eine Seite zu sehr in die andere zu stoßen.

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München (IV)

Posted in Gesellschaft by Verfasser on 2. 8. 2016

Es ist wohl heute, zehn Tage und eine Trauerfeier nach dem Münchner Attentat, genauso unpassend und pietätlos wie auch noch in einer Woche oder einem Monat. Aber bei der Lektüre der Meldung in den Nachrichtenportalen drängte sich mir eine Frage auf, die nicht deshalb verschwinden will, weil sie so unfaßbar herzlos scheint.

Drei Familien aus dem Kosovo verloren jeweils eines ihrer Kinder bei dem Attentat. Sie bitten jetzt um Spenden, weil sie die Toten in der Heimat, im Kosovo bestatten wollen, ihnen dafür aber das Geld fehlt.

Das verstehe ich einfach nicht. Weshalb haben die Familien einst den Kosovo verlassen? Es muß ja einen Grund gehabt haben. Und sie sind seither in Deutschland, also besteht der Grund entweder weiterhin – oder aber sie sind hier heimisch geworden, so daß sie gar nicht mehr zurück wollen. So oder so – weshalb sollten sie dann die Kinder dort bestatten wollen?

Ich kann reinen Gewissens sagen, daß ich für diese Frage keinerlei rassistische oder fremdenfeinliche Motive habe. Sie würde sich mir genauso stellen, wenn es etwa eine Familie aus Kanada wäre. Mag sein, daß den Wunsch der Bestattung in der früheren Heimat (die die Kinder vielleicht selbst gar nicht mehr gesehen haben) nur jemand nachvollziehen kann, der eben einmal auf der Flucht war oder aus anderen Gründen ausgewandert ist. Beides trifft auf mich nicht zu.

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